Meinung

Geopolitik, Militär, aber auch die Verwaltung - Putin mit großen Aufgaben in der neuen Amtszeit

Russland selbst hat sich unter Putin grundlegend gewandelt, doch die größten Änderungen stehen dem Land noch bevor. Nach Februar 2022 begann eine neue Epoche – eine Epoche der Erlangung einer wahrhaftigen nationalen Souveränität, der Selbstständigkeit des nationalen Denkens und der Verwaltung.
Geopolitik, Militär, aber auch die Verwaltung - Putin mit großen Aufgaben in der neuen AmtszeitQuelle: Sputnik © Sergei Bobylew

Von Pjotr Akopow

Heute, am 7. Mai, trat Wladimir Putin zum fünften Mal das Amt des Präsidenten Russlands an, doch das war nicht bloß eine weitere Amtseinführung. Die feierliche Zeremonie im Kreml fand zu einem schicksalsträchtigen, historischen Moment unserer Geschichte statt. Sowohl im Hinblick auf die Komplexität als auch auf das Ausmaß der vor dem Präsidenten und dem Volk stehenden Herausforderungen kann er nur mit der Zeit der ersten Amtseinführung Putins vor 24 Jahren verglichen werden.

Und es geht nicht nur darum, dass damals wie heute Kampfhandlungen auf unserem Gebiet stattfinden, dass wie damals Terroranschläge verübt werden. Jüngst kamen im Gebiet Belgorod sieben Menschen ums Leben, dazu kommen noch ständige Drohungen, die Anschläge auf die Krimbrücke zu wiederholen.

Damals, im Jahr 2000, stand nicht mehr und nicht weniger als der Erhalt Russlands auf dem Spiel – es ging darum, welchen Weg wir einschlagen: den der Stärkung der Macht der Oligarchen, der allmählichen Desintegration nicht nur des großen Russlands, sondern auch der Russischen Föderation, oder den der Veränderung des Prinzips der Staatsverwaltung und Elitenbildung. Putin schlug den zweiten Weg ein und führte das Land vom Rande des Abgrunds weg. Nicht etwa, weil er ein Herkules ist, sondern weil er die Interessen des Volks und des Landes an erste Stelle setzte, und das Volk selbst gerade auf einen solchen Staatschef wartete. Nicht auf irgendeinen "Superspion", sondern auf einen Menschen, der den Eid schwor, seinem Volk zu dienen, und ihn nicht brach oder verriet; der nicht zu einer Marionette in fremden Händen wurde; der nicht wegen Schwierigkeiten und Versuchungen der Macht den Verstand verlor; der gefasst ist und seine Heimat wirklich liebt.

Während des vergangenen Vierteljahrhunderts stellte Putin seine Eignung für das Amt des Präsidenten unter Beweis und wurde zu einem unumstrittenen und alternativlosen nationalen Oberhaupt. Alternativlos aber wurde er nicht wegen einer – nicht existenten – Diktatur, sondern, weil ihn das Volk für ein wahres Staatsoberhaupt hält. Dabei gibt es beim Präsidenten keinerlei Personenkult oder Erfolgsrausch – er blieb ein normaler russischer Mann, der sich selbst, seine Umgebung und die Situation in der Welt adäquat einzuschätzen vermag. Das bedeutet nicht, dass Putin alles gelang und gelingt, was er und das Volk sich wünschen, sondern, dass er sich wandelt, ohne dabei auf seine Prinzipien und Ziele, auf seine Weltanschauung zu verzichten. Putin ist kein Revolutionär, doch die Änderungen, die unter seiner Regierung stattfinden, können ohne Übertreibung als revolutionär bezeichnet werden.

Dabei handelt es sich nicht um die internationale Situation, obwohl sie das gut veranschaulicht. Russland selbst hat sich unter Putin grundlegend gewandelt, doch die größten Veränderungen stehen dem Land noch bevor. Nach Februar 2022 begann eine neue Epoche – eine Epoche der Erlangung einer wahrhaftigen nationalen Souveränität, der Selbstständigkeit des nationalen Denkens und der Verwaltung. Der Konflikt mit dem Westen wendete das russische Schiff so, wie es schon längst hätte getan werden sollen. Putin begann diese Wende bereits in den Jahren 2012 und 2014, doch nun geht sie viel schneller und bestimmter vonstatten.

Dabei ist dies keine Wende nach Osten oder Süden, sondern eine Wende hin zu sich selbst, zur eigenen historischen und spirituellen Erfahrung, zur Besinnung auf die eigene Tradition, den eigenen Weg. Nicht wenige unter der "Elite" hielten diese Wende nicht aus, akzeptierten sie nicht, widersetzten sich ihr – manche flohen (sprangen über Bord), manche tauchten unter (versteckten sich im Kielraum) in der Hoffnung, den Sturm auszusitzen und die Rückkehr auf den alten, westlichen Kurs abzuwarten; manche kreuzten einfach die Finger und geben vor, dem neuen Kurs treu zu sein. Doch es wird keine Rückkehr geben, und Doppelzüngigkeit wird nicht helfen – unser Schiff wird sich weiter an den neuen Kurs halten, allen Stürmen, Drohungen und Verwünschungen zum Trotz. Noch viele, denen das Ausmaß der Veränderungen nicht bewusst wird, werden die Wellen hinwegspülen von ihren Stellen, die sie für Kommandoposten hielten. Und an ihre Stelle werden jene treten, die wirklich bereit sind, der gemeinsamen Sache zu dienen.

In den nächsten Jahren steht Wladimir Putin vor gigantischen Aufgaben – in geopolitischer, militärischer und personalpolitischer Hinsicht. Doch gerade die Frage der Bildung einer neuen Verwaltungsschicht wird für ihn maßgeblich sein. Denn er kann Russland nur denjenigen übergeben und anvertrauen, die das Land lieben und kennen, die ein Teil Russlands sind und für seine Festigung und Selbstständigkeit, also Eigenstaatlichkeit, arbeiten wollen. Jenen, die wie er verstehen, dass Macht kein Privileg, keine einträgliche Position ist, sondern eine Art Obedienz. Dass der Dienst am Volk und Russland keine abgedroschene Formel ist, sondern der Sinn der Tätigkeit eines Staatsbeamten – vom einfachen Amtsleiter bis zum Präsidenten.

Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen am 7. Mai bei RIA Nowosti.

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